Landleben: wöchentliche Kolumne

<h5>Brigittes Landleben</h5>

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( Rechtlicher Hinweis: Eine Nutzung dieses Textes, welcher Art auch immer, ist
ausschließlich nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages B. Koischwitz möglich.! )

© Brigitte Koischwitz

Laut einschlägiger Umfragen ist in 76 % der europäischen Haushalte abends der Fernseher eingeschaltet. Ob intensiv hineingeschaut wird, ist allerdings die zweite Frage, denn bei dem chaotischen Programmangebot, wo keine noch so peinliche Situation und körperliche Angelegenheit des Menschen im Rampenlicht ausgelassen wird, wendet sich mancher kopfschüttelnd ab. Oft ist es aber auch wieder so langweilig, dass man noch nebenbei am Computer spielt oder im Handy bei Whats App, Facebook, oder Twitter, regen Gedankenaustausch mit dem Rest der Welt abhält. Egal wie, wenn es sonst kein Familien zusammenführendes Programm mehr gibt, so ist es fast Tradition am Sonntagabend, den Tatort einzuschalten. Wobei ein Großteil des weiblichen Geschlechts eher das Herzkino von Frau Pilcher bevorzugt. Eine prekäre Situation, die zu leichten Missstimmungen führen kann. Irgendein prominenter Schauspieler, der seit dreißig Jahren mit einer einzigen Frau verheiratet ist, wurde neulich in einer Talkshow gefragt, wie er das geschafft hat und welches Rezept er für eine langjährige Ehe empfehlen würde. Er antwortete spontan: „Zwei Fernsehgeräte im Haus!“ Nun der Mann hat Recht, denn im Normalfall ziehe ich mich auch zum Herzkino in meine Kemenate zurück. Doch an diesem Sonntag war ein Tatort mit Maria Furtwängler angesagt, eine strahlende Erscheinung, die als Kommissarin Charlotte Lindholm so manchen Fall beherzt gelöst hat. Voller Spannung richtete ich mich an der Seite des liebsten Mannes auf dem Sofa ein. Und so nahm die Handlung ihren Lauf, die hübsche, schlanke Kommissarin tobte sich bei fetziger Musik wohl in ihrer Freizeit in einer Disco aus. Plötzlich trennte sie sich von ihrem Tanzpartner und strebte zielstrebig dem Ausgang zu. Anschließend stolzierte sie in schicken silbernen High Heels in dazu passendem silbernen, hauchengen Kleid, was zu jedem Opernball als Hingucker gereicht hätte, durch eine düstere Fabrikhalle, direkt zu einer Ansammlung parkender Autos. Jeder Zuschauer hätte nun erwartet, dass Madam ins Auto einsteigen würde, um ebenso zielstrebig nach Hause zu fahren, weil am nächsten Morgen ein anstrengendes Kommissarinnenleben auf sie wartete. Nun zur Überraschung des Zuschauers und auch meiner, raffte Frau Furtwängler alias Kommissarin Lindholm ihr silbernes Gewand, hockte sich zwischen zwei Autos nieder und machte Pipi! Seelenruhig und derart ausgiebig hockte sie da, wie unser Hund Olli der seinen ersten Morgenpiesch erledigt. Leider wird sie bei ihrer „Erleichterung“ von drei jungen Männern gestört, die amüsiert ihr Handy zücken, um das sprudelnde Ereignis festzuhalten. Doch Frau Charlotte reagiert extrem sauer, schnellt aus ihrer Pinkelstellung auf, greift die Männer an und schlägt auf sie ein. Jene schlagen zurück, sie fällt zu Boden und landet in einer düsteren Pfütze, während die drei Herren sie mit Fußtritten versorgen. Keine schöne Szene, aber schließlich handelte es sich ja um einen Krimi. Trotzdem war ich schon zu diesem Zeitpunkt versucht ins Herzkino umzuschalten, dort sind alle immer so schön sauber und die Rosen blühen. Anschließend sieht man die Frau mit zerschundenem Gesicht im Taxi sitzen. Da stellt man sich die Frage, gab es in der Disco kein Klo, denn Kommissarin Lindholm war ja wohl ohne Auto da. Wenn dieser „Einsteiger“ bezüglich der Handlung des gesamten Films und Falls, irgendeinen Bezug gehabt hätte, na gut, hatte er aber nicht! Lediglich, dass sich unsere Hauptdarstellerin ständig müde und derangiert, mit wirren Haaren durch die „Ermittlungen“ des Falles quälte und der dann auch am Ende ungelöst blieb. Welch ein „Drehbuch“! Da lob ich mir doch die gute alte Miss Marple, die war stets auf Zack und hat alle Fälle aufgeklärt, ohne auch nur einmal aufs Klo zu gehen.  

 

© Brigitte Koischwitz

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