Landleben: wöchentliche Kolumne

<h5>Brigittes Landleben</h5>

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( Rechtlicher Hinweis: Eine Nutzung dieses Textes, welcher Art auch immer, ist
ausschließlich nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages B. Koischwitz möglich.! )

 

 

© Brigitte Koischwitz

Das „Neue Jahr“ ist da und hat gleich Tempo aufgenommen, denn eben standen wir noch draußen und schauten dem quirlig bunten Treiben der Raketen am Nachthimmel zu und schon ist es Mitte Januar. Aber wo sonst neue Dinge sich uns glatt und völlig sauber präsentieren, lässt das „Neue Jahr“ sehr zu wünschen übrig, denn es zeigt sich eher rau und schmuddelig. Kein Wunder, wenn sich manches Getier in seine kuschelige Höhle zurückzieht und seligen Winterschlaf hält. Eine praktische Angelegenheit, der Natur auf diese Weise Raum zu geben, den Frühling vorzubereiten. Gar nicht auszudenken, wenn alle Menschen, so wie zur jährlichen Zeitumstellung, sich gemeinsam, zumindest für einen Monat, sagen wir mal den Januar über, zum Winterschlaf zurückziehen würden. Alle Räder ständen still, keine Abgase weit und breit, die gute Mutter Erde könnte mal richtig durchatmen. In Kleinformat hat es so etwas schon gegeben, beispielsweise mit den Sonntagen, an denen keine Autos fahren durften. Reine Träumerei, was ich da spintisiere. Aber an manch düsterem Morgen habe ich es mit solchen Gedanken getrieben, denn ich war drauf und dran ins Bett zurückzukrabbeln. Mein Hund jedoch hat mich energisch in die harte Wirklichkeit zurückgeholt. Schmuddelwetter hin, her, rein in die Gummistiefel, Mütze auf und schon ging es los. Wenn dann Wind und Regen das Gesicht massieren, rückt jeder kuschelige Winterschlaf in weite Ferne. Da stellt man sich voller Energie den Naturgewalten. Am Ende kann man gar nicht genug davon bekommen, aber da weist dich abermals dein Haustier in die Schranken. Denn jenes findet es gar nicht lustig, pudelnass durch Matsch und Pfützen zu flitzen. Deshalb geht es bald heimwärts in die warme Stube. Dort angekommen fühlt man sich richtig gut, dass man nicht in klebriger Stubenhockerei verharrte. Und weil man so brav etwas für die Gesundheit tat, belohnt man sich mit Kaffee oder Tee ein Stündchen vor dem Fernseher. Doch bei allen technischen Finessen, die wir sonst genießen, gehorcht sie uns mitunter nicht so ganz, die Technik. Denn wenn solch ein Gerät in die Jahre kommt, quietscht es schon mal in den Gelenken. Denn als ich den Fernseher einschalten wollte, gab er keinen Mucks von sich. In solch einem Fall, reicht ein spitzer Schrei und der liebste Mann steht mit Zange und Bohrer mir zur Seite. Mit dem berühmten Satz, „was hast du denn da wieder gemacht“, schubste er mich väterlich zur Seite. „Ich habe ihn nur einschalten wollen und auf die Fernbedienung gedrückt!“ “Zeig mal, sicher sind nur die Batterien leer!“ So lautete die anfängliche Diagnose und die ganze Chose war ein Klacks. Doch nichts dergleichen traf zu, sie waren voll. Also mauserte sich die Geschichte zu einem größeren Problem, gleichwohl sich auch spontan Sorgenfalten auf der geliebten Stirn ansiedelten. Zum gründlichen Check-up wurden erst einmal alle Kabel rausgezogen und nach einer Weile wieder in die Buchsen gesteckt. Welch ein Wunder, Sekunden später sprang die Kiste an. Glücklich darüber schmiss ich mich aufs Sofa. Aber ebenso spontan riss es mich auch wieder hoch, denn Bild und Ton hatten sich auf scheußlichste Weise verändert. Das Bild hatte scheinbar ein Bad in Orangensaft genommen und der Ton klang wie Mickymaus in einer Konservendose. Jeder aus der Zeit, „als die Bilder laufen lernten“ hätte sich an dem Geschehen ergötzt. Doch Hightech verwöhnt wie der Mensch des 21. Jahrhunderts nun mal ist, wendet er sich mit einem Schreikrampf von dem Gerät ab. Hier musste abermals mein persönlicher Zauberer dran, was er auch gerne tat. Um es kurz zu machen, irgendwann stand der Fernseher, umgeben von einem ziemlichen Kabelgewusel, quer im Raum. Das hatte nix von Winterschlafkuschelnest. Da habe ich mich mitsamt Hund heimlich rausgeschlichen und mich lieber erneut den Naturgewalten ausgeliefert.

 

© Brigitte Koischwitz

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